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3.1 Akute Entzündung

Die Einteilung erfolgt nach Art des entzündlichen Exsudats. Dabei entspricht die Reihenfolge in etwa dem Schweregrad der Entzündung. Andererseits läßt aber auch die Art des Exsudates gewisse Rückschlüsse auf die Art der Erkrankung oder auf den Erreger zu.

Man unterscheidet demnach:

  • Seröse Entzündung
  • Fibrinöse Entzündung
  • Eitrige Entzündung
  • Hämorrhagische Entzündung

3.1.1 Formen der akuten Entzündung

1. Seröse Entzündung: Das Exsudat enthält Eiweißstoffe, deren Zusammensetzung in etwa dem des Blutplasmas entspricht. Fibrin und Leukozyten fehlen aber weitgehend.

Beispiele sind:

  • seröse Entzündungen der Schleimhäute wie der Katarrh (Schnupfen), ausgelöst durch Viren oder allergisch bedingt (Atopie).
  • Entzündungen der serösen Häute der Körperhöhlen bezeichnet man als Serositis (bzw. je nach Lokalisation als Pleuritis, Perikarditis, Peritonitis). Hierbei treten seröse Ergüsse (Pleuraerguß, Perikarderguß, Aszites) auf. Im Bindegewebe verursacht die seröse Entzündung bei leichter Reizung (Insektenstich, chemische Reizung) ein Ödem.

2. Fibrinöse Entzündung: Bei der fibrinösen Entzündung kommt es zur Exsudation von Vollplasma und zur Gerinnung von Fibrinogen zu Fibrin. Auf Schleimhautoberflächen führt die Gerinnung zu graugelblichen Belägen (pseudomembranöse Entzündung).

Beispiele sind:

  • fibrinöse Pharyngitis bei Diphterie, bei der Fibrinmembranen den Rachen bedecken.
  • fibrinöse Tracheitis und Bronchitis bei Grippe.
  • fibrinöse Perikarditis (“Zottenherz”) bei Urämie.
  • pseudomembranöse Kolitis, als Nebenwirkung von Antibiotika.

3. Eitrige Entzündungen: Hier kommt es zur Exsudation gelapptkerniger Leukozyten (neutrophiler Granulozyten). Dies tritt insbesondere bei einer bakteriellen Entzündung (Eiter, Pus) auf. In Abhängigkeit vom Erregertyp unterscheidet man zwischen der phlegmonösen und der abszedierenden Entzündung.

  • Phlegmone: Sie beschreibt eine flächenhafte eitrige Infiltration des Bindegewebes, welche von einer Gewebsnekrose begleitet wird. Die Entzündung kann rasch fortschreite, da es zu keiner Abkapselung der Erreger kommt. Typische Erreger sind Streptokokken.

Beispiele: Appendizitis, Tonsillitis, Haut

  • Abszeß: Eiter in einer Höhlung, die durch Einschmelzung einer Nekrose entstanden ist. Typische Erreger sind Staphylokokken.

Beispiele: Impetigo, Zahnabszeß, Spritzenabszeß, Brustdrüsenabszeß.

  • Empyem: Hier kommt es zu einer Eiteransammlung in einer Körperhöhle.

Beispiele: Gallenblasenempyem, Pleuraempyem.

4. Hämorrhagische Entzündung: Bei dieser Entzündungsform kommt es zu einer Beimengung von Erythrozyten im Entzündungsexsudat. Ursache ist meist eine Schädigung der Gefäßwände. Typische Erreger sind Rickettsien, Milzbrand und Pocken.

3.1.2 Ausbreitung der Entzündung

  • Direktes Übergreifen. Beispiel: Eitrige Zystitis, Pyelonephritis, Perinephritis
  • Kanalikuläre Ausbreitung. Beispiel: Aszendierende Infektionen im Urogenitaltrakt, in den Gallenwegen, der Leber sowie den Bronchien und der Lunge
  • Lymphogene Ausbreitung. Beispiel: Ausschwemmung von Bakterien in regionäre Lymphknoten (Lymphangitis, Lymphadenitis). Bei weiterem Fortschreiten besteht die Gefahr einer Sepsis!

3.1.3 Heilung der akuten Entzündung

Die Heilungsvorgänge setzen ein, wenn die entzündungserregenden
Faktoren aufhören zu wirken.

  • Exsudation und Emigration stagnieren (Rückgang von Rötung und Schwellung).
  • Ausgetretene Flüssigkeit wird von Blut- und Lymphbahnen resorbiert.
  • Fibrin wird enzymatisch aufgelöst und von Makrophagen resorbiert.
  • Ausgetretene Leukozyten und Erythrozyten kehren nicht in die Blutbahn zurück, sondern zerfallen und werden von Makrophagen abgebaut.
  • Makrophagen wandeln sich teilweise in Fibroblasten um und sind von ortsständigem Bindegewebe nicht mehr zu unterscheiden.
  • Lymphozyten und proliferierte Kapillaren überdauern am längsten. Sie sind auch noch später nachweisbar.
Bearbeiter: Peter Sinn
Letzte Änderung: 5.08.2012