UniHD

3.3.1 Tuberkulose

Definition

Durch Tuberkulosebakterien hervorgerufene granulomatöse Entzündung.

Pathogenese und Verlauf

Allgemeines: Etymologie: tuberculum (lat. Knötchen)

  • früher: weit verbreitet,
  • Mitte des 20. Jahrhunderts Einführung des Rifampicin: Schließung der Tuberkulosekliniken
  • heute: verbesserte Hygiene und antimikrobielle Kombinationstherapie. Nachteil: In den letzten Jahren gibt es zunehmend resistentere Erreger.

Erreger:

  • M. tuberculosis: aerogene Infektion
  • M. bovis: Milch
  • nicht jedoch: atypische Mycobakterien

Histologie:

  • exsudativ-käsige Entzündung
    • zunächst unspezifisches leukozytär-fibrinöses Exsudat, welches die Alveolen ausfüllt
    • anschließend trockene Nekrose (= “Verkäsung”) als Folge der tuberkulotoxischen Wirkung. Keine Organisation oder Resorption des Käseherdes.
  • proliferativ-produktive tuberkulöse Entzündung
    • Phagozytose der Tbc-Bakterien durch Makrophagen, Umwandlung in Epitheloidzellen, Verschmelzung zu Riesenzellen; Bildung verkäsender Granulome = Tuberkel, bestehend aus Langhans-Riesenzellen, Lymphozytenwall und zentraler Käseherde
    • Das Ausmaß der Verkäsung ist abhängig von der allgemeinen Abwehrlage. Bei schlechter Immunabwehr oder allg. Schwäche kommt es zur starken Verkäsung (eher produktive oder eher exsudativ-verkäsend Reaktion)

Heilung der produktiven Tuberkulose: Durch Stärkung der
proliferativ-produktiven Entzündung erfolgt die Eindämmung des
exsudativ-käsigen Krankheitsherdes. Das tuberkulöse Granulationsgewebe
kann bakterienfrei abheilen. Das Resultat ist eine zellarme,
bakterienfreie Narbe.

Schicksal der tuberkulösen Herde:

  • Vergrößerung einzelner Herde oder Konfluieren benachbarter Herde bei ungünstiger Reaktionslage,
  • Fibröse Abkapselung nach außen; inaktiver Rundherd = Tuberkulom, schließlich Verkalkung (Gefahr der Reaktivierung), z.B. tuberkulöse Spitzenherde
  • Verflüssigung durch proteolytische Enzyme, Entstehung eines “kalten Abszesses”
  • Bildung von Kavernen in der Lunge

Stadieneinteilung

Primärperiode: (tuberkulöse Erstinfektion)

  • Primäraffekt: häufig subpleural gelegen, mit begleitender zirkumskripter fibrinöser Pleuritis
  • Primärkomplex: Primäraffekt und tuberkulöser Lymphadenitis der Hiluslymphknoten
  • Primärgeneralisation: hämatogene Streuung (Organtuberkulose, Miliartuberkulose)

Postprimäre Tuberkulose:

  • chronische Tuberkulose des Erwachsenen und chronische Organtuberkulose
  • Reinfektion oder Reaktivierung alter Tuberkulome
  • Spätgeneralisation bei Versagen der Immunantwort

Bearbeiter: Peter Sinn
Letzte Änderung: 5.12.2012