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A87: Atherosklerose, fibroatheromatöser Plaque

Histologie (EvG-Färbung):

  • Organdiagnose: Arterie
  • Querschnitt durch ein arterielles Gefäß (Elastica-van Gieson Färbung) mit atheromatöser Plaque, welche in das Lumen hineinragt.
  • Es besteht aus einem Lipidkern und einer breiten Fibrosezone mit Desktruktion der Lamina elastica interna
  • Ein Übergreifen auf die Media ist möglich
  • Aufbruch der Intima über der Plaque

Kurspräparat

WHO Definition
Bei der Atherosklerose handelt es sich um eine variable Kombination von Veränderungen der Intima, bestehend aus einer herdförmigen Ansammlung von Fettsubstanzen, komplexen Kohlenhydraten, Blut und Blutbestandteilen, Bindegewebe und Kalziumablagerungen verbunden mit Veränderungen der Arterienmedia.

Epidemiologie
Die Atherosklerose mit ihren Folgeerkrankungen (Myokardinfarkt, Hirninfarkt, Extremitätengangrän und Bauchaortenaneurysma) ist führend in der Mortalitätsstatistik (30% der Todesfälle) bei den 30-65-Jährigen. In höheren Altersgruppen steigt sie sogar auf über 50%. Aktuell ist die Mortalität der Erkrankung rückläufig, was auf verbesserte Präventionsmaßnahmen und Vorsorgeprogramme zurückzuführen ist.

Ätiologie
Bei den Risikofaktoren der Arterosklerose unterscheidet man zwischen Risikofaktoren erster Ordnung und jener 2. Ordnung. Zu den Faktoren erster Ordnung zählen:

  • Hypertonie: Endothelschäden durch veränderte Hämodynamik
  • Fettstoffwechselstörungen: Hyperlipidämie und Hypo-LDL-ämie
  • Nikotinabusus: Auswirkung auf die Thrombozytenfunktion, den Lipoproteinstoffwechsel im Plasma und Veränderungen der Hämodynamik und Makrophagenfunktion
  • Diabetes mellitus: Bildung von AGE welche einen Reiz für verstärkte Phagozytose, reaktive Fibrose und Endothelschäden darstellen können.
  • Alter
  • Geschlecht: Männer sind häufiger und früher betroffen als Frauen

Zu den Risikofaktoren zweiter Ordnung zählen Adipositas, Hyperuikämie, Stress, Bewegungsmangel und hormonelle Faktoren aber auch eine familiäre Belastung kann prädisponierend wirken.

Morphologie

  • Fatty streaks: Sie sind die frühesten Erscheinungen in der Gefäßwand und geben erste Hinweise auf das Entstehen einer Atherosklerose. Bei den Lipidflecken handelt es sich dabei um kleine gelbliche runde bis ovale nicht erhabenen Flecken in der Gefäßintima, die zu schmalen Reihen und Linien konfluieren können. Histologisch findet sich in den endothelnahen oberflächlichen Schichten der Intima eine herdförmige Akkumulation von Lipid speichernden Schaumzellen. Daneben finden sich auch oft extrazelluläre Lipidtröpfchen. Je höher deren Anzahl ist, desto die Gefahr, dass an dieser Stelle eine Atherosklerose entsteht. Ein Übergang in die atherosklerotischen Veränderungen ist möglich aber nicht obligat. Fatty streaks sind potentiell rückbildungsfähig.
  • Atherosklerotischer Plaque (Siehe Präparat): Sie kommen in der Intima zu liegen, sind fokal erhaben, enthalten einen zentralen Lipidkern und eine fibräse Kappe. Makroskopisch imponieren sie als weiß-gelbe Herde, die sich in das Arterienlumen vorwölben. Die Plaques setzen sich histologisch aus drei Hauptbestandteilen zusammen:

  • Zellen: glatte Muskelzellen, Monozyten, Makrophagen und andere Leukozyten
  • Extrazelluläre Bindegewebsmatrix: Kollagen, elastische Fasern und Proteoglykane
  • Intra- und extrazelluläre Lipidablagerungen

Die Plaques finden sich an folgenden Prädilektionsstellen:

  • Zentraler Typ: Befall der Bauchaorta distal der Nierenarterienabgänge
  • Peripherer Typ: Hier sind vor allem Herz, Gehirn und Nieren betroffen
  • Ausbreitungstyp: Unterscheidung zwischen einem zentripetalen (Beginn in der Peripherie) und einem zentrifugalen (Beginn in der Aorta, Ausbreitung in die Peripherie)

Klinik
Die Atherosklerose verursacht lange keine klinischen Symptome. Es müssen meist erst viele Jahre vergehen, bis das Krankheitsbild manifest wird. Die Symptome sind dann abhängig von der Lokalisation der Atherosklerose und dem Organbefall. Veränderungen der Aorta umfassen zum einen die Plaqueruptur (durch den Abriss und die Verschleppung thrombotischen Materials kann es zu Organinfarkten (Mesenterialinfarkt, Niereninfarkt) kommen) zum anderen die Entstehung von Aortenaneurysmata. Die Atherosklerose der mittelgroßen und kleinen muskulären Gefäße führt in erster Linie zu hämodyamischen Lumeneinengungen oft mit schwerwiegenden Folgen (Hirninfarkt, Herzinfarkt).

Bearbeiter: Peter Sinn
Letzte Änderung: 5.03.2017
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  4.1 Arteriosklerose  

Bilder

A87 Atherosklerose

Abb. 424: Breiter subintimaler fibroatheromatöser Plaque (EvG-Färbung).


A87 Atherosklerose

Abb. 425: Plaque mit Aufsplitterung der Lamamina elastica interna (EvG-Färbung).

4 Zirkulationsstörungen - Skript

4.1 Arteriosklerose - Weitere Kurspräparate