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1.4 Metaplasie

Unter Metaplasie versteht man die Umwandlung eines differenzierten Gewebes (epithelial oder mesenchymal) in ein anderes.

Die Metaplasie ist eine besondere Form der zellulären Anpassung auf die Umgebung. Durch chronische Reizung bzw. bei chronischer Entzündung, häufig in Verbindung mit der Änderung der Umgebungsbedingungen bzw. des zellulären Milieus, kommt es zum Ersatz eines Oberflächenepithels durch ein anderes, meist minderwertiges Epithel (Bsp.: Ersatz von Flimmerepithel durch Plattenepithel). Eine direkte Metaplasie (Transdifferenzierung) ist nicht möglich, sondern ausgehend von den Stammzellen (Basal- oder Reservezellen) eines Epithels wird eine andere, unterschiedlich differenzierte Zelle gebildet.

Formen der Metaplasie

Formen Ausgangsgewebe Metaplastisches Gewebe Ursache
Plattenepithelmetaplasie Bronchien (Flimmerepithel) Plattenepithel Chron. Bronchitis/Rauchen
Plattenepithelmetaplasie Cervix uteri (Zylinderepithel) Plattenepithel Chron. Zervizitis
Glanduläre Metaplasie Mamma (duktales Epithel) Apokrines Epithel Mastopathie
Gastrale oder intestinale Metaplasie Ösophagus (Plattenepithel) Gastrales oder Zylinderepithel Reflux, Barrettösophagus
Intestinale Metaplasie Magen (gastrale Mukosa) Intestinales Epithel Chronische Gastritis
Gastrale Metaplasie Gallenblase (Zylinderepithel) Gastrales Epithel Chronische Cholezystitis

Als Beispiel für die Epithelmetaplasie kann die Umwandlung des respiratorischen Epithels in Plattenepithel beim Gewohnheitsraucher dienen. Das ortsständige Flimmerepithel der Bronchien wird fokal, insbesondere in den zentralen Abschnitten des respiratorischen Systems durch geschichtete Plattenepithelien ersetzt. Auch Vitamin-A Mangel kann eine Plattenepithelmetaplasie im Respirationstrakt induzieren. Das “robustere” und geschichtete Plattenepithel ist in der Lage unter Bedingungen, die ein empfindlicheres und spezialisiertes Epithel nicht tolerieren würde, zu überleben. Die Plattenepithelmetaplasie bringt für die Integrität des Oberflächenepithels zwar Vorteile, zieht jedoch andere Nachteile nach sich, da z.B. wichtige Schutzmechanismen, wie Schleimabsonderung und die Funktion des Flimmerepithels zum Transport kleinster Partikel nach außen (ziliare Clearance) verloren gehen. Außerdem prädisponiert die Metaplasie des Oberflächenepithels bei persistierendem Reizzustand zur malignen Transformation. Die Metaplasie kann auch mesenchymale Zellen betreffen, hier handelt es sich aber weniger um eine adaptive Reaktion. So kann beispielsweise metaplastischer Knochen in Weichgeweben auftreten, insbesondere nach lokaler Schädigung des ortsständigen Fett- oder Bindegewebes.

Zusammenhang mit Karzinomen: nicht Ursache sondern Epiphänomen!

Bearbeiter: Peter Sinn
Letzte Änderung: 4.08.2012

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