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Rosacea


Häufige, chronische, zunächst rezidivierende, später persistierende Erkrankung mit zentrofazialen Teleangiektasien, persistierenden oder flushartig einsetzenden, häufig temperaturgetriggerten oder Stress-induzierten Erythemen, sowie längerdauernden entzündlichen Episoden mit follikulären, auch parafollikulären, entzündlichen, “dome-shaped” Papeln und Plaques, follikulären Papulopusteln und Pusteln. In schweren Fällen wird das Krankheitsbild durch Bindegewebs- und Talgdrüsenhyperplasien (Phymbildungen) kompliziert. Eine weitere komplikative Organbeteiligung stellt die okuläre Rosazea dar.

Synonym

Acne rosacea; Kupferfinne; Rotfinne; Couperose; Rosacea

Klinisches Bild

Man unterscheidet unterschiedliche Entwicklungsstadien:
Vorläuferstadium
Flüchtige Erytheme, deren Häufigkeit zunimmt, mit . “flushartigem” Charakter. Im Laufe von Monaten oder Jahren persistieren diese transitorischen Erytheme zunehmend. Typischerweise wird die Perioralregion ausgespart (Perioralblässe).
Stadium I (Rosacea erythematosa)
Über das Vorläuferstadium entwickeln sich Erytheme, die über Stunden und Tage persistieren. Weiterhin Bildung von Teleangiektasien, vor allem nasolabial und im Wangenbereich. Die Reizbarkeit der Haut nimmt zu. Brennen und Stechen sind die weiteren klinischen Symptome.
Stadium II (Rosacea papulopustulosa)
Einzelne oder gruppierte, entzündliche, gerötete, über Tage bis Wochen bestehende, evtl. feinlamellös schuppende Papeln. Sterile oder normale Follikelflora enthaltende Papulopusteln und Pusteln. Narbenlose Abheilung der einzelnen Schübe. Im weiteren Verlauf Zunahme der Schubaktivität.
Stadium III (glandulär hyperplastische oder phymatöse Rosazea)
Großflächige entzündliche Knoten und Infiltrate, diffuse Gewebshyperplasie (Phymbildung) vor allem an Wangen, Nase, Kinn, Stirn, Ohren. Dieses Stadium tritt nahezu ausschließlich bei Männern auf.

Histopathologie

Diagnostische Kriterien

  • perivaskuläre und perifollikuläre, vorwiegend lymphozytäre Infiltrate
  • ektatische Blut- und Lymphgefäße
  • Ödem
  • Talgdrüsen- und Bindegewebehyperplasie
  • aktinische Elastose
  • Demodex- Milben

Differentialdiagnose Stadium I (Rosacea erythematosa)

Konstitutionelle Gesichtsrötung (Erythema perstans faciei): persistierende Rötung, nicht wechselhaft, keine Flushsymptomatik.

Chronische Frostschädigung
Flächige Erytheme, aktinische Schädigungen, keine Flushanamnese.
Scharlach
Akuter Verlauf; schwere Krankheitssymptome; derartige Symptome fehlen bei der R. komplett.
Erysipel
Akuter Verlauf; Fieber, Schmerzhaftigkeit, schmerzhafte Lymphadenopathie
Zirkulationsstörungen versch. Art (Hypertonie, Mitralvitium)
bekannte internistische Probleme; Gesichtsfarbe blau-rot; keine Flushsymptomatik.
Flushphänomene (Karzinoidsyndrom, Medikamente Erythema e pudore)
Anfallartige Erytheme, keine Auslöser wie bei Rosazea (hier z.B. Alkohol)
Lupus erythematodes, systemischer
Schmetterlingserythem, durchaus manchmal vergleichbar; schwere Krankheitssymptome (Pat. erscheint krank!).
Dermatomyositis
Flächige heliotrope Erytheme; lilafarben; schwere Krankheitssymptome (Pat. erscheint krank!); auffällige Muskelschwäche.
Langzeitige Vorbehandlung mit Glukokortikoid-Salben (s.a. Steroidhaut)
Meist flächige, unscharf begrenzte Erytheme, häufig auch Pusteln, erhebliches Spannungsgefühl (Pat. leiden!).
Polycythämie (Polycythämia vera)
Keine wechselhafte sondern persistierende Rötung; Farbe eher blau-rot.
Seborrhoisches Ekzem
Zentrofaziale schuppende Rötung, meist auch diskrete feinlamelläre Kopfschuppung.
Häufig Befall weiterer seb. Zonen (z.B. Sternalbereich)
Photodermatosen (aktinisches Retikuloid; chronisch aktinische Dermatitis).

Differentialdiagnose Stadium II (Rosacea papulosa/pustulosa):

Acne vulgaris
Akneiforme Exantheme
Dermatitis perioralis
Lupus miliaris disseminatus faciei
Steroidhaut
Dermatitis perioralis
Follikulitis, gramnegative
Tinea faciei
Demodikose.

Differentialdiagnose Stadium III (Hautveränderungen sind diagnostisch)

Lupus pernio
Facies leonina.

Bearbeiter: Brigitte Maag
Letzte Änderung: 3.01.2019